Programm

Mittwoch, 19.09.2018, 19.30 Uhr Alhambra

Film:
SPK Komplex

D 2018, 111 Minuten,
Regie: Gerd Kroske

Eintritt 6 €, ermäßigt 4 €

„Der Stein, den jemand in die Kommandozentrale des Kapitals wirft, und der Nierenstein sind austauschbar. Nehmt Euch vor Nierensteinen in Acht.“ So lautete eine der Thesen des Philosophen und approbierten Mediziners Wolfgang Huber, der im Februar 1970 in Heidelberg gemeinsam mit 53 Psychiatriepatienten das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK) gründete. „Die Krankheit zur Waffe machen“ war das Motto der Gruppe. In der vom SPK herausgegebenen Publikation „Patienteninfo“ hieß es im Juni 1970: „Das System hat uns krankgemacht. Geben wir dem kranken System den Todesstoß.

SPK Carmen Roll

Das antipsychiatrische Sozialistische Patientenkollektiv führte das individu-elle Krankheitsbild auf das Krankheitsbild des Kapitalismus zurück und sah das Leiden des Einzelnen in den Strukturen der Gesellschaft begründet. Die selbstorganisierte Therapiegruppe las Hegel und Foucault, wollte das Machtgefälle zwischen Arzt und Patient abschaffen, agitierte gegen die Verwahranstalten und deckte die Kontinuitäten zur nationalsozialistischen Psychiatrie auf (aus: Jungle world). In SPK KOMPLEX erzählt Regisseur Gerd Kroske über Interviews mit Hubers Weggefährten, mit Ermittlern, Richtern und Journalisten sowie über eine Fülle von unveröffentlichten Aufnahmen und Archivmaterial aus dem „Deutschen Vorherbst“ die weitgehend unbekannte Geschichte des SPK und ihrer Folgen bis heute. Eine Geschichte vom Irresein und Irrewerden, von öffentlicher Wahrnehmung und den Mechanismen von Gewalt.

Mit: Carmen Roll, Lutz Taufer, Alfred Mährländer, Karl-Heinz Dellwo, Edgar Seitz, Kurt Groenewold, Michael Schwarz u.v.a.

SPK Rudi Mährländer