Zeit für Utopien


Eine Filmreihe zu Greenwashing und alternativen Ansätzen

Donnerstag, 21. und 28. März 2019

Kulturzentrum PFL – Oldenburg

Eintritt: 6 €/erm. 4 €

Ein Projekt von:                                    in Kooperation mit:  

Zeit für Utopien

Globaler Klimawandel, Verseuchung von Luft, Erde und Meeren, Artensterben, Erschöpfung der Naturressourcen, Fluchtbewegungen vor Hunger und Krieg, Zwang zu ungebremstem Wachstum, Vernutzung von Mensch, Tier und Natur zur Profitmaximierung globaler Konzerne, schädliche Energieproduktion und politischer Stillstand.

Die Probleme unserer Welt, die in der Ausbeutung der Naturressourcen immer öfter ihren „Peak“, das Umkippen in die Krise, erreicht haben, sind bekannt. Sie werden seit vielen Jahren auch im Film teils drastisch dargestellt.


Terena Häuptling, Brasilien, mit Kathrin Hartmann, Werner Boote
in: „Die grüne Lüge“

Vielleicht führen die Menge an Krisenerscheinungen und ihre Dokumentation im Bild sogar dazu, dass immer mehr Menschen abschalten, wenn sie damit konfrontiert werden, da die scheinbare Auswegslosigkeit auch medial nicht aufgelöst wird, sondern vielmehr ein Gefühl der Ohnmacht erzeugt. Es scheint, als seien ohne eine „gesunde“ Portion Abwehr oder Zynismus die Probleme dieser Welt gar nicht mehr auszuhalten. Umso mehr muss es um alternative Wege und Projekte gehen, die sich überall auf dem Planeten entwickeln, an denen sich ein Beispiel genommen werden kann, die begeistern und anregen zum Umdenken und Handeln.

Mit zwei Filmen und Gästen wollen wir konkrete Alternativen zur herrschenden „Immer weiter so“-Haltung vorstellen, und die grüne Bemäntelung von immer mehr Industrieprodukten als das entlarven, was sie im Kern sind: verlogene PR-Kampagnen.


Donnerstag, 28. März, 19.30 Uhr

Zeit für Utopien

Ö 2018, 95 Min.,
Regie: Kurt Langbein

Wir machen es anders. Nachhaltigkeit ist das Schlagwort unserer Zeit. Wenn mensch das Wort ernst nimmt, steht es für Umdenken und Handeln – weg von der Geiz-ist-geil-Mentalität, weg von der Wegwerfgesellschaft und der Profitmaximierung. ZEIT FÜR UTOPIEN zeigt positive Beispiele, wie wir mit Ideen und Gemeinschaftssinn viel erreichen können.

So werden 1,5 Millionen Menschen in Seoul ausschließlich mit regionaler, frischer Biokost versorgt, urbanes Wohnen ist mit einem Bruchteil jener Energiemenge möglich, wie sie derzeit durchschnittlich pro Kopf verbraucht wird. Ein Smartphone kann auch fair produziert werden und eine ehemals dem Großkonzern Unilever gehörende Teefabrik bei Marseille funktioniert nun sehr gut in Selbstverwaltung.

ZEIT FÜR UTOPIEN zeigt eine Auswahl von Projekten. Ihnen gemeinsam ist der Wunsch, möglichst ökologisch und solidarisch zusammenzuleben.

Kurt Langbein: „Unser Zusammenleben, unsere Art, wie wir wirtschaften, wird seit Jahrzehnten von einer zentralen Erzählung geprägt. Nämlich der, dass die Optimierung des Eigennutzes gegen die Anderen das Prägende sein soll, weil ohnehin die „unsichtbare Hand des Marktes“ für einen gerechten Ausgleich sorgt. Diese Erzählung hat in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, dass die Ungerechtigkeit und die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer geworden sind.“

Zu Gast: Eike von der SOLAWI Oldenburg

Greenwashing

Kathrin Hartmann im Interview: „Die grüne Lüge hat mehrere Ebenen. Auf der einen erzählen uns Konzerne, sie würden keine Umweltzerstörung mehr betreiben. Im Gegenteil, sie seien jetzt praktisch die Retter der Welt – obwohl sie einfach so weitermachen wie bisher. Heute suggerieren Produkte gerne, dass man Umweltaktivist ist, wenn man sie kauft.

H&M zum Beispiel hat, begleitet von einer großen Recycling-Kampagne, alte Kleider gesammelt. Für die abgegebenen Altkleider gab es allerdings nur Rabattgutscheine – damit die Leute dort neue Kleidung kaufen. Daran sieht man: Es geht bei Greenwashing, also der PR-Methode, ein Unternehmen besonders nachhaltig und umweltfreundlich erscheinen zu lassen, immer darum, das profitable Kerngeschäft zu erhalten. So versichern zum


Nico Paech in: „Zeit für Utopien“

Beispiel Lebensmittelkonzerne wie Unilever, dass ihre Produkte nachhaltiges Palmöl enthalten. Für den Anbau des Palmöls betreiben ihre Lieferanten in Indonesien trotz Nachhaltigkeitssiegel aber Landraub. Sie holzen illegal Regenwald ab und lassen auf den riesigen Plantagen Kinder und moderne Sklaven arbeiten.

Uns als Konsumenten wird erzählt, wir könnten an diesen Bedingungen etwas ändern, wenn wir im Supermarkt nur die richtige Wahl treffen würden. Die grüne Lüge verschafft einem einerseits ein gutes Gewissen, gleichzeitig macht sie den Menschen dauernd ein schlechtes Gewissen, weil sie die Verantwortung auf die einzelnen Käufer schiebt. Sie sagt: „Wenn ihr nicht das richtige Produkt kauft, seid ihr schuld.“(aus SZ vom 13.04.2018)

Donnerstag, 21. März, 19.30 Uhr

Die grüne Lüge

Ö 2018, 97 Min.,
Regie: Werner BooteMit Sonia Guajajara, Raj Patel, Noam Chomsky u.v.a.

Antiglobalisierungsaktivist Raj Patel

Im Jahr 2015 brannten große Teile des indonesischen Regenwalds nieder. An den direkten Folgen starben bis zu 100.000 Menschen. Dass die Brände bewusst gelegt wurden ist ein offenes Geheimnis. Ziel war es, massenweise neue Anbauflächen für die Gewinnung von Palmöl zu schaffen. Das billigste und meistverwendete Fett der Welt ist in jedem zweiten Supermarktprodukt enthalten. Auf den Spuren dieser Geschichte beginnt der Dokumentarfilmer Werner Boote („Plastic Planet“, „Alles unter Kontrolle“) seine Reise um die Welt, auf der Suche nach der Wahrheit hinter dem allgegenwärtigen Schlagwort „Nachhaltigkeit“. Die Journalistin, Autorin („Ende der Märchenstunde“, „Aus kontrolliertem Raubbau“) und Umweltexpertin Kathrin Hartmann ist dabei seine kompetente Begleitung. Sie kennt sich aus mit dem so genannten „Greenwashing“: Die Praxis, Produkte mit Hilfe massiver PR als „nachhaltig“, „umweltschonend“ oder „fair“ zu verkaufen, obwohl das Gegenteil der Fall ist. „Es gibt kein nachhaltig oder fair produziertes Palmöl, weil es nur dort wächst, wo vorher Regenwald war“, macht Hartmann deutlich. Doch auch das aufwändigste Greenwashing kommt ungleich billiger als eine Veränderung der Produktionsbedingungen. Weitere Stationen des Films sind Österreich, die USA, Brasilien sowie der Braunkohle-Tagebau in Deutschland. Zu Gast: Aktivist*innen vom Klimakollektiv Oldenburg